Welche Steuervorteile erhalte ich bei Zuwendungen an eine Stiftung?


Die großzügig bemessenen neuen Steuervorteile lassen es für viele Bürgerinnen und Bürger interessant werden, über Zuwendungen nachzudenken. Ausgaben zur Förderung gemeinnütziger Stiftungen können steuerlich abzugsfähig sein und damit das steuerpflichtige Einkommen des Spenders mindern.

Spenden/Sponsoring (HaufeIndex: 1098487)

6.2 Rechtslage ab VZ 2007 (HaufeIndex: 2026977)

Rz. 103

Die Zuwendungen gehören nach wie vor zu den beschränkt abziehbaren Sonderausgaben, sind daher der Höhe nach begrenzt abziehbar.

Ab VZ 2007 ist die Rechtslage deutlich einfacher geworden. Abziehbar sind Zuwendungen

  • bis zur Höhe von 20 % des Gesamtbetrags der Einkünfte oder
  • bis zur Höhe von 4 ‰ der Summe der gesamten Umsätze und der im Kalenderjahr aufgewendeten Löhne und Gehälter sowie zusätzlich zu diesen Höchstbeträgen 1 Mio. EUR bei Spenden in den Vermögensstock einer Stiftung.

Die bisherige Spreizung der Höchstbeträge von 5 % oder 10 % ist aufgegeben worden, ebenfalls die Großspendenregelung sowie der zusätzliche Spendenbetrag von 20.450 EUR für Spenden an Stiftungen.

Anzusetzen ist beim Vergleich zwischen 20 % und 4 ‰ der für den Steuerpflichtigen günstigere Betrag; eines Antrags bedarf es wie bisher nicht. Zum Begriff der Umsätze vgl. Rz. 72. Auch insoweit sind keine Änderungen eingetreten.

Übersteigen die Zuwendungen beide Höchstbetragsgrenzen oder können sie im VZ der Zuwendung nicht berücksichtigt werden, sind sie im Rahmen der Höchstbeträge in den folgenden VZ zeitlich unbeschränkt als Sonderausgaben abziehbar. Zur Berechnung des Höchstbetrags sind Zuwendungen aus dem laufenden Jahr und dem Vortrag zusammenzufassen.

Eine Nichtberücksichtigung der Zuwendungen tritt ein, wenn der Gesamtbetrag der Einkünfte kleiner ist als die Zuwendungen oder wenn vorrangige Abzüge vom Gesamtbetrag der Einkünfte[1] wie der Verlustabzug oder die Sonderausgaben nach § 10 EStG und § 10a EStG kein ausreichendes Abzugspotenzial mehr für die Zuwendungen bieten. Durch das JStG 2008[2] ist diese Regelung präzisiert worden. Steuerlich berücksichtigt sollen alle Zuwendungen sein, die das Einkommen auf 0 EUR mindern. Vom Gesamtbetrag der Einkünfte sind dabei zunächst der Verlustabzug nach § 10d EStG sowie die Vorsorgeaufwendungen nach § 10 Abs. 3 und 4 EStG sowie § 10c EStG abzuziehen. Anschließend mindern die abziehbaren Zuwendungen den verbleibenden Restbetrag auf 0 EUR. Die darüber hinausgehenden Zuwendungen sind nach § 10b Abs. 1 Satz 3 EStG vorzutragen.

Verfahrensrechtlich verweist Abs. 1 Satz 4 auf § 10d Abs. 4 EStG, sodass der vorzutragende Zuwendungsabzug - wie bisher - gesondert festzustellen ist.

Rz. 104

Ab VZ 2009 tritt nach dem UntStReformG 2008[3] die Abgeltungsteuer auf private Kapitaleinkünfte in Kraft, sodass entsprechende Einkünfte nicht mehr bei der Veranlagung anzusetzen sind.[4] Bestehen daher die Einkünfte eines Steuerpflichtigen ausschließlich oder nahezu ausschließlich aus privaten Kapitaleinkünften, wird sich der Abzug der Zuwendungen nicht oder nur gering auswirken, soweit nicht der Steuerpflichtige die Einbeziehung dieser Einkünfte beantragt, § 2 Abs. 5b Satz 2 Nr. 1 EStG. In diesen Fällen wird auch der unbegrenzte Vortrag der nicht ausgenutzten Zuwendungen bei unveränderten Einkünften hieran nichts ändern. Möglicherweise bietet sich aber dann ein Antrag auf Veranlagung nach § 32d Abs. 4 EStG an.

Bei nicht ausgenutztem Zuwendungsvortrag stellt sich die Frage, ob dieser Betrag im Falle des Todes des Steuerpflichtigen auf den Erben übergeht. Nach der Entscheidung des BFH v. 17.12.2007,[5] wonach der Verlustabzug nicht vererblich ist, ist diese Frage zu verneinen.

Rz. 105

Das Gesetz sieht keine Verdoppelung der Abzugshöchstbeträge bei zusammen veranlagten Ehegatten vor. Der Abzugshöchstbetrag steht jedem Ehegatten alleine zu, sodass ein Ehegatte einen nicht ausgenutzten Abzugsbetrag des anderen Ehegatten nicht in Anspruch nehmen kann.[6]

Der Höchstbetrag für Spenden an Stiftungen beträgt 1 Mio. EUR. Er kann im Jahr der Spende und in den folgenden neun Jahren zusätzlich zu den Höchstbeträgen des § 10b Abs. 1 Satz 1 EStG abgezogen werden. Der Höchstbetrag bezieht sich auf den gesamten 10-Jahreszeitraum und kann innerhalb dieses Zeitraumes nur einmal abgezogen werden. Nach der Gesetzesbegründung gilt die Begünstigung von Zustiftungen auch für bereits vor Inkrafttreten des Gesetzes errichtete Stiftungen, und zwar erstmals für Aufstockungen innerhalb des 10-Jahreszeitraums ab Gründung der Stiftung und bis zur Höhe der Differenz zwischen dem bisher steuerlich geltend gemachten Abzugsbetrag, höchstens 307.000 EUR, und dem neuen Höchstbetrag von 1 Mio. EUR.[7] Verfahrensrechtlich verweist § 10b Abs. 1a Satz 3 EStG auf § 10d Abs. 4 EStG, sodass der vorzutragende Spendenabzug - wie bisher - gesondert festzustellen ist.

Weitere Steuervorteile

Neben diesen Möglichkeiten für Stifterinnen und Stifter sind noch eine Reihe weiterer steuerlicher Vorteile von Bedeutung. Als Beispiel ist zu nennen, dass die Errichtung einer Stiftung oder Zuwendung an eine bereits bestehende gemeinnützige steuerbegünstigte Stiftung schenkungsteuer- bzw. erbschaftsteuerfrei sind. Vielfach werden gemeinnützige Stiftungen erst aufgrund testamentarischer Verfügung nach dem Tode des Stifters errichtet. Der Gesetzgeber hat dafür gesorgt, dass in diesen Fällen keine Erbschaftsteuer anfällt. Zudem erlischt die Steuer mit Wirkung für die Vergangenheit, soweit ein Erbe oder Beschenkter die durch die Erbschaft oder Schenkung erworbenen Gegenstände innerhalb von 24 Monaten einer Stiftung zuwendet.

Zu diesem Thema stellen wir Ihnen unter "Vererben & Stiften" weitere Informationen zur Verfügung.